Blog! Style Therapy: Bevor die Zeit dich einholt. | Vom Mut, nach innen zu schauen.
Sylwia Wittbrodt
6/3/20266 min lesen


Eine Reise zu dir selbst. Reitest du auf der Welle oder wagst du es, deine eigenen Grenzen zu sprengen?
Es ist schon so lange her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe, und mein Kopf platzt fast vor tausend Ideen, die ich hier unbedingt mit euch teilen möchte. In letzter Zeit war ich unglaublich viel unterwegs – an den unterschiedlichsten Orten, in verschiedenen Städten und Ländern. Allein das Beobachten dieser völlig anderen Lebensrealitäten bringt so viele spannende Facetten mit sich und öffnet den Blick auf die eigene Welt und die der anderen.
Wer sind wir, wenn wir auf Reisen sind, und wie nehmen wir die Welt wahr, wenn wir zu Hause sind? In unserem vertrauten, engen Raum, umgeben von dem, lohnend was wir jeden Tag sehen? Womit müssen wir uns auseinandersetzen, wenn uns genau dieser andere Blickwinkel, dieser Bezugspunkt fehlt? Wie sehr schrumpfen unsere Überzeugungen, wenn wir nicht reisen, wenn wir uns nicht für andere Kulturen und Menschen öffnen? Das ist nicht immer leicht, denn uns wurden viele falsche Glaubenssätze eingetrichtert. Einer der hartnäckigsten: dass es bessere und schlechtere Menschen gibt. Aber nein – wir alle sind einfach da.
Der Verteidigungsmechanismus: Warum wollen wir so gerne andere reparieren?
Und doch ist genau das so schwer zu akzeptieren. Das Anderssein von Menschen wird ständig bewertet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine andere Hautfarbe, andere Traditionen oder eine andere Kultur handelt. Solange wir die Freiheit der anderen nicht verletzen, ist alles völlig in Ordnung. Doch ich spreche von den anderen, weil wir uns auf uns selbst eigentlich nie fokussieren. Es sind immer die anderen, die man verbessern, um die man sich kümmern muss. Das raubt uns so viel Zeit, dass für uns selbst am Ende nichts mehr übrig bleibt.
Wenn wir aufhören würden, uns ständig mit den anderen zu beschäftigen, sie zu bewerten und ihnen ungefragt Ratschläge zu erteilen, müssten wir einen Blick in unser eigenes Inneres werfen. Und da herrscht oft gähnende Leere.
Irgendwann wirst du abrupt ausgebremst. Denn die Zeit holt uns immer ein – sie wirft uns auf die Bretter, sei es gesundheitlich oder in unseren Beziehungen. Und dann steht man da. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wo ich mich unterwegs verloren habe, was meine Träume, Werte und Pläne sind. Es stellt sich heraus, dass ich für Menschen gelebt habe, die gar nicht mehr da sind, oder mich um jemanden gekümmert habe, der meine Hilfe überhaupt nicht braucht. Man redet sich selbst ein, für jemanden unverzichtbar zu sein.
Wenn dich die Zeit also einholt – was dann? Sollten wir vielleicht, statt auf den großen Knall zu warten, anfangen, über uns selbst nachzudenken? Uns zu fragen, was uns wirklich wichtig ist? Zu spüren, was uns guttut, und uns endlich an die erste Stelle setzen
„Ach, das ist doch nur ein alter Fetzen“ – Über die (Un-)Fähigkeit, Komplimente anzunehmen
Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie du auf ein Kompliment reagierst? Ich bin mir fast sicher: Wenn dir jemand sagt: „Die Bluse steht dir aber fantastisch!“, würdest du antworten: „Ach, das ist doch nur ein alter Fetzen Stoff.“
Wir haben verlernt, Komplimente anzunehmen. Wenn wir uns morgens anziehen, hinterfragen wir gar nicht, ob dieses Kleidungsstück etwas mit uns macht, ob es uns guttut oder ob wir uns darin überhaupt wohlfühlen. Dabei ist genau das so entscheidend. Es bestimmt maßgeblich unsere Gefühle, unsere Energie und die Art und Weise, wie wir von anderen wahrgenommen werden.
Die Falle des ersten Eindrucks in der Büro-Welt
Neulich habe ich im Büro eine interessante Szene beobachtet, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Bei uns tauchen immer wieder neue Gesichter auf, von denen manche nach ein paar Monaten wieder verschwinden. Diesmal drehte sich das Gespräch um eine neue, „seltsame“ Person bei uns im Team, die sich anders verhält und sich völlig anders kleidet als alle anderen. Von ihr geht eine ganz eigene Energie aus, und genau deshalb wird sie nicht sofort akzeptiert.
Es war das klassische Phänomen: Der erste Eindruck zählt. Eine neue Person mit einem ungewöhnlichen Look, die sich scheinbar keinerlei Gedanken über die Wirkung ihres Auftretens oder die Auswahl ihrer Accessoires macht. Zudem jemand, der nicht aus der Gegend kommt, also eher zurückhaltend wirkt... Diese Person wird sofort als weniger wertvoll abgestempelt, weil sie unangepasst wirkt und nicht ins gewohnte Umfeld passt.
Es war das klassische Phänomen: Der erste Eindruck zählt. Eine neue Person mit einem ungewöhnlichen Look, die sich scheinbar keinerlei Gedanken über die Wirkung ihres Auftretens oder die Auswahl ihrer Accessoires macht. Zudem jemand, der nicht aus der Gegend kommt, also eher zurückhaltend wirkt... Diese Person wird sofort als weniger wertvoll abgestempelt, weil sie unangepasst wirkt und nicht ins gewohnte Umfeld passt. Und das Fazit der Diskussion? „Das Kuriose ist: In zwei Jahren werden sie wahrscheinlich feststellen, dass diese Person eigentlich ganz okay ist. Dieser allererste Eindruck hatte also eine fundamentale Bedeutung.“
Kleider machen Leute. Kleidung als Manifest der Zugehörigkeit
„Kleider machen Leute“ – das ist das Fundament. Natürlich muss dich das nicht interessieren, wenn du nicht willst. Jeder hat das Recht, sein Leben nach den eigenen Regeln zu leben. Aber wie sehen deine Regeln dir selbst gegenüber aus? Bist du dir selbst wichtig? Hörst du auf die Signale, die dir dein Körper sendet? Nimmst du deine eigenen Bedürfnisse wahr?
Wie schon erwähnt und wie man auch auf meinem Instagram-Profil sehen kann, war ich in letzter Zeit viel unterwegs. Ich habe Menschen und ihr Verhalten beobachtet, insbesondere unser tiefes Bedürfnis zu kommunizieren, wer wir eigentlich sind. Selbst wenn uns gar nicht bewusst ist, wie andere uns sehen: Das, was uns insgeheim so wichtig ist, kommunizieren wir ununterbrochen durch unsere Kleidung. Wir können es leugnen, aber es lässt sich nicht verstecken
· Ein Motorradtreffen in Österreich: Wo, wenn nicht auf so einem Event, zeigt man deutlicher, dass man ein Biker ist? T-Shirts, Ketten, Schriftzüge und Symbole, die ausdrücken, wer wir sind, was uns gefällt, welcher Stil zu uns passt und wie wir gesehen werden wollen. Das Motorrad ist ein Werkzeug, um das eigene Ich auszudrücken – genau wie die Kleidung die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft zeigt.
· Das Diamantenviertel in Antwerpen: Eine wunderschöne Stadt, in der Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen Tür an Tür leben. Dort prallt man direkt auf die Realität einer geschlossenen, jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft. Man ertappt sich bei der Frage, wie wohl der Platz der Frauen in dieser Welt aussieht. Aber es steht mir nicht zu, das zu bewerten. Jede von uns hat irgendwo eine Wahl, die sie treffen kann. Wenn es ihr gutgeht, habe ich kein Recht, ihre Grenzen zu verletzen oder sie missionieren zu wollen.


Natürlich haben wir nicht immer eine Wahl. Aber andererseits ist nicht alles, was wir sehen und was uns persönlich nicht gefällt, automatisch schlecht. Für uns mögen bestimmte Lebensweisen nicht vorstellbar sein, aber gibt mir das das Recht, dieGrenzen einer anderen Person zu überschreiten? Nur weil ich aus meiner Perspektive glaube, es müsste ihr damit schlecht gehen? Das ist ihre Kultur, und solange niemandem Gewalt angetan wird und die Grenzen des Gegenübers respektiert werden, sollte die Entscheidung dieser Person akzeptiert werden.
Jeder hat seinen eigenen Mount Everest
Ich glaube fest daran, dass Respekt dem anderen Menschen gegenüber das Wichtigste überhaupt ist. Antwerpen hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben, genau wie ein Gespräch mit meiner Tochter, von der ich im Leben schon so unendlich viel gelernt habe – eine völlig andere Sichtweise auf unsere Mitmenschen, unser Leben und unsere Erwartungen.
Für den einen mag die Besteigung des Mount Everest genauso anstrengend sein wie für einen anderen ein Fußweg von gerade mal fünfhundert Metern.
Jeder von uns ist einzigartig, und das ist doch das Schöne am Leben: dass wir selbst entscheiden können, was für uns von Bedeutung ist. Ich habe gelernt, dass ich niemandem meine Regeln, Gebote oder Verbote aufzwingen muss. Wir alle haben andere Prioritäten, andere Wahrheiten und sind durch unser Umfeld anders geprägt worden. Was für uns die Welt bedeutet, ist für den anderen vielleicht gar nichts.
Aber diese Akzeptanz ist extrem schwer. Trotzdem lohnt es sich manchmal, den jungen Menschen zuzuhören, die wirklich viel zu sagen haben. Nicht alle hängen nur am Smartphone und scrollen gedankenlos durchs Netz. Vielleicht sollten wir ab und zu auf den Rat dieser jungen Generation hören, die uns zuruft: „Kümmer dich um dich selbst, lebe dein eigenes Leben.“ Ganz schön schwer, oder?
Du bist am Zug: Zeit für einen großen Frühjahrsputz im Schrank und im Kopf
Deshalb stelle ich dir hier noch einmal die Frage: Wäre es nicht an der Zeit, dich endlich um dich selbst zu kümmern? In dein Inneres zu schauen und zu entdecken, wie du eigentlich gesehen werden willst? Denn nur wenn du dich selbst wirklich entdeckst, kannst du anfangen, diese Persönlichkeit auch nach außen zu tragen – zum Beispiel durch deine Kleidung.
Es lohnt sich, eine gründliche Garderoben-Analyse zu machen und sich von all dem Ballast zu befreien, der nicht mehr zu uns passt, der nichts mit uns zu tun hat oder der bloß ein Vorbote eines „neuen Ichs“ war. Und genau jetzt, durch unsere gemeinsame Arbeit, findest du vielleicht die erlösende Antwort auf die Frage: „Warum um Himmels willen habe ich das damals eigentlich gekauft?“
Wer weiß?! Ich lade dich jedenfalls herzlich ein auf eine emotionale Reise – dieses Mal ganz tief zu dir selbst
